Lage der Photovoltaik-Industrie in Deutschland

Photovoltaik: Siliziumwafer wird im Reinraum hergestellt

Durch den Ausbau der Photovoltaik hat sich im letzten Jahrzehnt in Deutschland ein Wirtschaftszweig entwickelt, der heute aus mehr als 10.000 Unternehmen besteht – vom Modulproduzenten über den Anlagenbauer bis hin zum Handwerksbetrieb – und über 130.000 Vollzeitbeschäftigte zählt (externe Links öffnen sich in neuen Fenstern).
Zu verdanken ist dieser Erfolg nicht zuletzt der Förderung der Solarstromerzeugung über das Erneuerbare-Energien-Gesetz und dessen Marktanreiz-Mechanismus, der Einspeisevergütung.

Doch die Jahre des ungetrübten Wachstums – und auch die der unbestrittenen Vorreiterrolle der deutschen PV-Industrie – sind vorbei. Die Förderung wird seit langer Zeit schrittweise zurückgenommen, um die Solarstromerzeugung nach und nach am freien Energiemarkt wettbewerbsfähig zu machen. Gleichzeitig wird die internationale Konkurrenz immer stärker und hat die deutschen Solarunternehmen – wie etwa im Bereich der Solarmodulherstellung – teilweise überholt.

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Diesem Umbruch sind in den letzten Wochen und Monaten bereits einige Photovoltaikunternehmen – so die Berliner Solon SE, die Solar Millenium AG aus Erlangen oder der große Solarinstallateur Gecko Solar aus Wetzlar – zum Opfer gefallen. Die Photovoltaik bleibt zwar ein Jobmotor, allerdings werden in Politik und Gesellschaft zunehmend Stimmen laut, die behaupten, dass die deutsche Photovoltaik-Förderung mehr die internationale, v.a. chinesische Konkurrenz der deutschen Solarbranche mit Kapital versorge als die hiesige Industrie. Lässt diese Behauptung sich halten?

Photovoltaik – Die Zukunft der deutschen Solarbranche

Die Photovoltaik ist 2011 in Deutschland mit einer neuinstallierten Leistung von ca. 7.500 MWp so stark gewachsen wie nie zuvor – die Bundesrepublik ist damit weiterhin der größte Photovoltaikmarkt der Welt. Zwar bleibt ein großer Teil der erwirtschafteten Wertschöpfung – 2010 betrug sie nach Angaben des Bundesverbands Solarwirtschaft rund 10 Mrd. Euro – im Land, doch drängen mehr und mehr ausländische Solarunternehmen auf den hiesigen Markt.
Ein Beispiel ist der Solarmodulmarkt: Eine Untersuchung der Berliner Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) hat aufgezeigt, dass Deutschland zur Solarstromerzeugung mittlerweile mehr Solarmodule importiert als exportiert. Im Jahr 2010 betrug das Importvolumen 11,6 Mrd. Euro, während sich das Exportvolumen gerade einmal auf 5,5 Mrd. Euro. belief.

Allerdings konnte die deutsche Photovoltaikindustrie nur einen Teil der im eigenen Land verlorenen Marktanteile durch die Erschließung neuer Exportmärkte in den USA oder in Asien kompensieren – denn auch in den neuen Absatzgebieten hat man es mit derselben Konkurrenz wie in Deutschland zu tun. Die meisten Sparten der deutschen PV-Industrie müssen sich also sowohl im In- wie im Ausland mit einer wachsenden und stärker werdenden Konkurrenz auseinandersetzen, was

  • einerseits die Solarmodulhersteller,
  • andererseits die PV-Ausrüster bzw. die Handwerker

vor unterschiedliche Herausforderungen stellt, die unterschiedlich gewichtet werden müssen.

Photovoltaik-Industrie: Solarmodulhersteller

Photovoltaik: PV-Sparten entwickeln sich unterschiedlich

Durch die Photovoltaik geschaffene Arbeitsplätze – © BSW.

Schwierigen Zeiten sehen gegenwärtig die Solarmodulhersteller entgegen. Bosch Solar, Conergy, Schott und andere deutsche Unternehmen müssen sowohl auf dem Binnen- wie auf dem Weltmarkt mit den Angeboten der chinesischen Solarmodulproduzenten wie LDK Solar, Suntech, oder Yingli konkurrieren.
Dies ist besonders schwierig, da die chinesischen Hersteller vom Staat finanziell stark gefördert werden. Allein im Jahr 2010 erhielten die großen PV-Unternehmen von der “China Development Bank” Subventionskredite in Höhe von 30 Mrd. US-Dollar. So konnten sie ihre Produktion massiv ausbauen und mit ihren hochwertigen und konkurrenzlos günstigen Modulen weltweit die Preise drücken. Kristalline PV-Module aus China sind 2011 im Preis um rund 45% gefallen; Dickschicht-Solarmodule aus deutscher Produktion sind zwar ebenfalls deutlich günstiger geworden (um ca. 35%), gegenwärtig sind sie aber um fast 30% teurer als die chinesische Konkurrenz.
Das freut zwar die Betreiber, die zur Solarstromerzeugung eine Photovoltaik-Anlage errichten wollen, einigen deutschen Modulherstellern ist die fröhliche Stimmung aber vergangen. So hatte etwa die Solon SE in den ersten drei Quartalen des Jahres 2011 einen Verlust von rund 114 Mio. Euro zu verzeichnen. Mitte Dezember 2011 musste das Unternehmen mit Sitz in Berlin dann Insolvenz anmelden und war damit nicht der einzige Hersteller, der in diesem Jahr Konkurs anmelden musste.

Analysten sehen für deutsche Solarmodulhersteller unter zwei Bedingungen zukünftig trotzdem gute Wachstumschancen: Wenn es ihnen gelingt, sich in den neuen Schwerpunktmärkten der USA und Asien zu etablieren; und wenn sie ihre Geschäftsstruktur auf eine breitere Basis stellen können. Unternehmen wie Solarworld aus Bonn, welche die gesamte photovoltaische Wertschöpfungskette bedienen, seien für den immer härter werdenden Wettbewerb besser gewappnet.

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Photovoltaik-Ausrüster, Handwerker und Solarteure

Günstiger ist derzeit die Situation für die Ausrüster der Photovoltaik-Industrie. Die Hersteller von Maschinen, Komponenten und Anlagen wie etwa die Schmidt Gruppe (Leiterplatten) aus Freudenstadt oder der Anlagenbauer Centrotherm aus Blaubeuren konnten ihre Umsätze deutlich steigern. Insgesamt haben die deutschen Maschinen- und Anlagenbauer 2011 ihre führende Weltmarktstellung (50% Marktanteil) behaupten können und sind für die nächsten Jahre gut gerüstet.

Auch die Handwerksbetriebe und die Solarteure blicken weitgehend optimistisch in die Zukunft. Ihre Geschäftsentwicklung hängt vor allem davon ab, wie viele neue Anlagen zur Solarstromerzeugung in Auftrag gegeben werden – sie konkurrieren nicht unmittelbar mit dem globalen Markt. Zwar rechnen die Betriebe 2012 nicht mit einem ähnlich starken PV-Zubau wie 2011, sie gehen jedoch davon aus, dass die Reparatur- und Wartungsarbeiten für ältere Anlagen zur Solarstromerzeugung diesen Rückgang aufwiegen werden (vgl. Grafik oben).
Aus einer Studie des Trendforschungsunternehmens Querschiesser geht jedoch hervor, dass etwa die Handwerksbetriebe der Solarbranche in den neuen Bundesländern wie Brandenburg und Sachsen-Anhalt das Geschäftsjahr 2012 skeptischer sehen als etwa ihre Kollegen in Bremen, Niedersachsen oder Baden-Württemberg.

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Fazit: Es wird immer wieder behauptet, dass die deutsche Photovoltaik-Förderung heute mehr der internationalen, v.a. chinesischen Konkurrenz zugute käme als der hiesigen Solarbranche. Und tatsächlich sind, während die Solarstromerzeugung weiter kräftig steigt, für manche Sparten der deutschen Photovoltaik-Industrie schwierige Zeiten angebrochen. Insbesondere einige Solarmodulhersteller mussten auf Grund des abflauenden Aufschwungs und der immer stärkeren ausländischen Mitbewerber die Segel streichen.
Andere Sparten aber wie etwa die Maschinen- und Anlagenbauer konnten ihre führende Position auf dem Weltmarkt halten oder sogar verbessern; und die Handwerksbetriebe, welche – vom Dachdecker bis zum Solarteur – nicht in gleichem Maße im internationalen Wettbewerb stehen, verdanken dem Ausbau der Photovoltaik nach wie vor gut gefüllte Auftragsbücher.

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