Aufständerung
Lexikon der Photovoltaik-Begriffe
Aufständerung ist die Anbringung der Solarmodule auf einer eigens aufstellten Stützvorrichtung. Dies ist entweder ein Metallgerüst, das fest mit dem Dach verschraubt bzw. verklammert und/oder mit schweren Materialien, z.B. Betonplatten, gesichert wird – oder es handelt sich um Kunststoffwannen, die z.B. mit Sandsäcken, Steinen oder Schotter beschwert werden können, und auf deren sonnenzugewandten Schräge die Solarmodule befestigt werden.
Die Frage, ob eine Aufständerung sinnvoll ist, erhebt sich, wenn Photovoltaikanlagen auf Flachdächern oder Dächern mit sehr geringer Neigung montiert werden sollen. Auf Flachdächern ist die Montage von Photovoltaikanlagen und Unterbauten, verglichen mit Arbeiten an Schrägdächern (Gerüstbau, Sicherung), relativ unproblematisch – das vereinfacht auch den Aufbau der Aufständerung. Das heißt aber nicht, dass die Aufständerung in jedem Fall sinnvoll ist.
Kosten und Nutzen sollten in jedem Einzelfall gegeneinander abgewogen werden – bei der erforderten Genauigkeit hierzu ist lizenzgeschützte Profi-Kalkulationssoftware gefragt, die wir im Internet nicht anbieten dürfen. Am besten, Sie bitten Ihren Solarteur bzw. den Lieferanten der Aufständerung, die beiden Varianten im Vorfeld der Auftragserteilung einmal genau für Sie durchzurechnen.
Für die Aufständerung spricht:
- Die Aufständerung hilft, die Module in einem optimalen Ausrichtungswinkel zur Sonne aufzustellen – also im Regelfall nach Süden.
- Die Module können in einem optimalen Neigungswinkel aufgestellt werden – in der Regel ist dies eine Neigung zwischen 30 und 35°.
- Flach liegende Module sind anfällig für Verschmutzung; der sogenannte “Selbstreinigungseffekt” durch Regen und Schnee tritt erst ab einer Neigung von ca. 10° ein – das erhöht Wartungs- und Reinigungskosten. Eine Aufständerung kann dies verhindern.
- Die Rückseite der Module ist belüftet, es entsteht kein Hitzestau hinter dem Photovoltaikgenerator. Da Solarzellen bei geringeren Temperaturen leicht effizienter arbeiten, ist der Wirkungsgrad der Anlage etwas höher. Allerdings liegt dieser Effekt nach Untersuchungen des TEC-Instituts in Waldaschaff (hier und hier) deutlich unter 2%.
- Die aufgeständerten Module lassen Laufwege frei, die für Reparaturen, Reinigung oder in Notfällen – z.B. im Brandfall für die Feuerwehr – benötigt werden.
Zumindest zu beachten ist:
- Die höhere Effizienz fällt nach Untersuchungsergebnissen des TEC-Instituts bei manchen Modularten (z.B. Dünnschichtmodulen, vgl. hier) geringer aus als erwartet.
- Nicht immer fängt der Mehrertrag durch die höhere Effizienz der Module die Mehrkosten der Aufständerung auf. Daher ist das Gegenrechnen so wichtig.
- Dies gilt insbesondere auch aus folgendem Grund: Sind die Module in einem steileren Winkel aufgestellt, werfen sie mehr Schatten – daher muss, um Abschattung zu vermeiden, ein Mindestabstand zwischen den Modulen eingehalten werden: Die Modulfläche wird insgesamt kleiner als ohne die Aufständerung.
- Die aufgeständerten Module sind anfälliger für Windeinflüsse – die notwendige stärkere Befestigung kann eine Verletzung der Dachhaut notwendig machen.
- Auch Schnee, der sich zwischen den Solarmodulen aufhäuft, kann die Anlage bzw. ihre Leistung beeinträchtigen.
- Es empfiehlt sich unbedingt, vor Aufständerung die Dachstatik untersuchen zu lassen: Gewichtsableitung, Tragfähigkeit (Beschwerung der Befestigung, höhere Schneefang) und Scherkräfte der angreifenden Winde müssen in die Statik mit einberechnet werden. Unbedenklichkeit hier kann zu großen Schäden an Photovoltaikanlage und Gebäude führen.
Vgl. auch den 2-Minuten-Zeitraffer-Film: Montage einer aufgeständerten Photovoltaikanlage.
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