Solarstrom
Kommentar
Wie die Süddeutsche Zeitung am 9. März 2010 berichtete, haben die Stromkonzerne in den Jahren 2009 und 2010 trotz gesunkener Großmarktpreise des Stroms die Preiserleichterungen nicht an die Stromkunden weitergegeben – sondern im Gegenteil kräftig erhöht. Das gern bemühte Argument aus den Marketingabteilungen der Versorgungsunternehmen, die Einspeisevergütung für den Solarstrom solle beteiligt sein an den hohen Strompreisen, welche die Energieriesen uns abnehmen, ja, die Preiserhöhungen seien durch die Einspeisevergütungen für mit Solartechnologie auf privaten Dächern erzeugten Solarstrom sogar direkt verursacht, greift damit nicht mehr. Es empfiehlt sich, dies nachzurechnen.
Kommentar: Ist der Solarstrom schuld?
Warum bekämpfen die großen Stromkonzerne die Solarkraft? Kaum gestellt, beantwortet die Frage sich selbst: Der privat erzeugte Solarstrom aus kostenloser Solareinstrahlung steht in unmittelbarer Konkurrenz zu den eigenen Produkten. Jahrzehntelang haben RWE und Co. auf hochsubventionierte Kernkraft und Kohle gesetzt (wer sich allein den durch die beständigen Kohlesubventionen entstanden Reichtum der RAG ansieht – der, dies als Beispiel nebenbei, unter anderem unfassbare rund 100.000 Immobilien umfasst! -, der kann nur den Kopf schütteln) -, jetzt ist die Einspeisevergütung für den Solarstrom aus Sicht der Energieriesen eine langfristige Bedrohung.
So ist es vielleicht verständlich, dass Einspeisvergütungen für Solarstrom (wie für Strom aus anderen regenerativen Energien) bekämpft werden – denn sie bedrohen die Subventionen für die eigenen Energieerzeugnis-Modelle. Ohne jede Vergleichszahl wird moniert, dass im Verlauf der nächsten 20 Jahre (!) Solarstrom für 40 Milliarden Euro abgenommen werden müsse – aber zugleich verschwiegen, dass allein die Atomkraft bisher 350 Milliarden an Subventionen erhalten hat (der Strom daraus muss extra bezahlt werden), vom “Kohlepfennig”, der Energieabgabe, die von 1974 bis 1995 zu zahlen war, zu schweigen: Er betrug z.B. allein im Jahr 1990 5,3 Milliarden DM; seit das Bundesverfassungsgericht ihn 1995 gekippt hat, wird die Steinkohle aus Steuergeldern subventioniert. So wird denn gerufen: Der Solarstrom ist verantwortlich für die hohen Strompreise! Aber selbstverständlich ist diese Erklärung so einfach wie grundfalsch.
“Der Wettbewerb funktioniert nicht”,
gibt die SZ den Energieexperten des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen Holger Krawinkell aus einem Gespräch mit der Boulevardzeitung BILD wieder, das auch in ZEIT online zu Strompreisen und anderen Nachrichten-Multiplikatoren zitiert wird.
Bundesverband der Verbraucher rät zu Solardächern
Spätestens damit also ist das rechnerische Argument hinfällig, dass es der Solarstrom sei, der das Preisgefüge der Stromversorgung hauptsächlich belaste. Solarstrom aus Solaranlagen schlägt sogar im Gegenteil eher weniger zu Buche. In einem Gespäch mit dem Domradio Köln, das Holger Krawinkel am 3. März führte, rät sogar dieser selbst zu Solardächern – ein Download des Gesprächs, in dem die Bemerkungen zum Solarstrom fielen, findet sich hier: Download Tipp Photovoltaik.
So ist es etwas verwunderlich, dass das konservative Nachrichtenblatt Focus die Äußerungen Krawinkels gegen Photovoltaik, gegen den Solarstrom richten will.
Aber Solarstrom und Photovoltaik werden eben gern als Feigenblättchen für die Preistreiberei von RWE & Co. bemüht. Ein einfaches Nachrechnen, wie eben jetzt von der Süddeutschen präsentiert, zeigt, auf welchem nachgiebigen Boden deren Argumente gebaut sind.
In dem Gespräch mit dem Domradio sagte Krawinkel auf die Frage danach, was der Verbraucher gegen die Macht der Stromkonzerne tun könnte, unter anderem wörtlich,
Der nächste Punkt ist, Strom selber zu produzieren. Das ist aber nur möglich, wenn man eben das Eigenheim selbst nutzt, also zum Beispiel durch eine Photovoltaikanlage
- so viel zum Focus, zum Strompreis und der Förderung von Solarenergie.
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