Wie die Photovoltaik sich rechnet


Der Weg, den die Photovoltaik in den gut 10 Jahren der EEG-Förderung zurückgelegt hat, ist beeindruckend:
2011 erzeugten 1,1 Mio. Photovoltaik-Anlagen bereits rund 19.500 GWh Strom und deckten damit rund 3,8% des deutschen Stromverbrauchs. Und mit der Neuregelung der Photovoltaik-Förderung zum 1. April 2012 liegen nun auch die Stromgestehungskosten von kleinen Dachanlagen deutlich unter dem Preis des Haushaltsstroms.
Wie man die Zahlen auch dreht und wendet, der Erfolg der Photovoltaik lässt sich nicht bestreiten – von einigen Atomkraftwerksbetreibern und Politikern einmal abgesehen.
Doch wird der Erfolgslauf der Photovoltaik weitergehen – und wo wird die Photovoltaik im Jahr 2030 stehen? Werfen wir einen Blick in die Zukunft:
Photovoltaik 2030 – die Sterne sagen ihr eine große Zukunft voraus
Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen, sagte einst Karl Valentin. Mit einem Körnchen Salz ist in diesem Sinne auch unser Ausblick auf die Entwicklung der Photovoltaik zu verstehen. Denn viele Studien, die in der jüngeren Vergangenheit eine Prognose gewagt haben, sind schon heute von der Realität ad absurdum geführt worden. So prognostizierte etwa das Bundesumweltministerium in seiner 2008 veröffentlichten Leitstudie 2008 (externe Links öffnen sich in neuem Fenster) für das Jahr 2030 eine installierte Photovoltaik-Leistung von 24 GWp – tatsächlich betrug die PV-Leistung aber bereits Ende 2011 rund 24,8 GWp.
Unser Ausblick skizziert die Entwicklung der Photovoltaik in folgenden Bereichen:
Wir stützen uns dabei auf die Leitstudie, die vom Bundesumweltministerium veröffentlicht wurde. Sie hat das dynamische Wachstum der Photovoltaik in den Jahren 2010 bzw. 2011 treffend vorausgesagt und stimmt – derzeit noch – sehr genau mit der tatsächlichen Entwicklung überein (von der gegenwärtigen, für die Preise und Kosten der Photovoltaik günstigen Entwicklung der Einspeisevergütung abgesehen).
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2030 liegen die Stromgestehungskosten der PV zumindest auf dem Niveau fossiler Energien – © Agentur für EE
Im Jahr 2030 wird – während die Kosten für den Rückbau und die Atommülllagerung weiterlaufen – auch das letzte Atomkraftwerk in Deutschland vom Netz gegangen sein. Die Erneuerbaren Energien haben die Atommeiler und viele fossile Kraftwerke mehr als würdig ersetzt und liefern risiko- und emissionsfrei 65% (325 TWh/a) des benötigten Stroms.
Ein wesentlicher Teil dieses Stroms stammt aus den Photovoltaikanlagen auf den Dächern und Freiflächen. Mit einer installierten Leistung von etwa 63 GWp werden Solarstromanlagen im Jahr 2030 rund 57 TWh/a Strom produzieren und knapp 12% des Gesamtstromverbrauchs abdecken. Auch an weniger sonnigen Tagen wird die Solarstromproduktion ausreichen, um den gesamten Mittagsspitzenstrombedarf bereitzustellen.
Das technisch-ökologisch umsetzbare Potential der Photovoltaik – eine installierte PV-Leistung von etwa 275 GWp – ist damit aber auch 2030 noch lange nicht ausgeschöpft.
Durch den Ausbau der Erneuerbaren Energien vermeidet Deutschland im Jahr 2030 zudem den Ausstoß von ca. 291 Mio. t Kohlendioxid. Jede Kilowattstunde Solarstrom reduziert den CO2-Ausstoß dabei um ca. 1 kg.
Bauherren werden für eine neue Photovoltaik-Anlage 2030 nur noch rund halb so viel Geld ausgeben wie heute. Der jährliche Preisrückgang geht aber langsamer von Statten, da der Entwicklungsspielraum der ausgreiften Photovoltaik kleiner wird. Die mittleren Preise für neue Photovoltaik-Anlagen liegen im Jahr 2020 bei rund 1.200 €/kWp und 2030 bei etwa 990 €/kWp. Mit den sinkenden Preisen halten auch die Stromgestehungskosten von neuen Photovoltaikanlagen Schritt; sie betragen:
Spätestens 2030 produzieren neuerrichtete, kleine PV-Aufdachanlagen Strom so günstig wie neu gebaute Kohle- und Gaskraftwerke, allerdings ohne jeglichen Schadstoffausstoß. Mit den Stromproduktionskosten der abgeschriebenen Solarstromanlagen wird im Jahr 2030 aber keine andere Stromerzeugungsform – seien es abgeschriebene inländische Kohlekraftwerke oder ausländische Kernkraftwerke – mehr konkurrieren können.
Die Mehrkosten für die Stromverbraucher durch die Vergütungszahlungen für Solarstrom – die sogenannten EEG-Differenzkosten – sind bis 2015 noch leicht angestiegen, in der Folge aber rasch gesunken. Die “Leitstudie 2010″ prophezeit:
“Um das Jahr 2026 herum wäre nur noch weniger als die Hälfte des hier zu Lande produzierten EEG-Stroms über das EEG zu vergüten, im Jahr 2030 nur noch 17%.”
Möglich wurde diese Entwicklung auch durch die starke Degression der Einspeisevergütung. Die Vergütungssätze für kleine PV-Dachanlagen haben 2021/2022 den durchschnittlichen Börsenstrompreis unterschritten. 2030 wird somit ein Großteil des Solarstroms nicht mehr über das EEG gefördert, sondern entweder mit Hilfe von dezentralen Solarstromspeichern weitgehend selbst verbraucht oder gewinnbringend direkt auf dem Strommarkt verkauft.
Die Photovoltaik-Förderung kostet die Stromverbraucher 2030 auf Grund der bestehenden Förderung für Altanlagen noch rund 200 Mio. € (derzeit etwa 5 Mrd. €) – neue Photovoltaikanlagen sind aber bereits seit Jahren ohne jegliche Förderungen wettbewerbsfähig.
Unser auf die “Leitstudie 2010″ gestützter Blick in die Zukunft der Photovoltaik mag das Los so vieler anderer Prognosen teilen – die photovoltaische Realität wird ihn eines Besseren belehren. Der Ausblick führt aber eines unmissverständlich vor Augen: Die Atomkraft reicht tief in die Vergangenheit. Mit der Photovoltaik bauen wir an der Zukunft.

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